Die Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. Experten aus der Automobilindustrie und der IG Metall diskutierten auf Einladung der SPD-Gemeinderatsfraktion über kommende Herausforderungen der Branche.

Stuttgart, 28. April 2017 – Zur Veranstaltung der Stuttgarter SPD-Gemeinderatsfraktion im voll besetzten Kleinen Plenarsaal des Rathauses kamen knapp 100 Interessierte. Dr. Michael Jantzer, Bundestagskandidat der SPD im WKII und Leiter des Innovationsmanagements bei Bosch, Uwe Meinhardt, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart und der Daimler Betriebsratsvorsitzender des Werks Untertürkheim, Wolfgang Nieke, diskutierten über die „Automobilindustrie im Umbruch“. Die wichtigste Branche Baden-Württembergs stehe vor großen Herausforderungen, betonten die drei Podiumsteilnehmer. Gerade die aktuelle Diskussion über Dieselmotoren zeige, dass dringend an einer Zukunftsperspektive für die Schlüsselindustrie gearbeitet werden müsse, betonte Jantzer. „Wer Arbeitsplätze und Wohlstand in unserer Region nicht gefährden will, der muss jetzt in die Zukunft investieren“, unterstrich er. Die Dieseltechnologie wird als Brückentechnologie weiter gebraucht, um während des Übergangs zur Elektromobilität die CO2-Ziele der Pariser Klimakonferenz zu schaffen. Deshalb müsse die Automobilindustrie das Diesel-Image verbessern und schnellstens ältere und aktuelle Fahrzeuge fit für die neuen Emissionsanforderungen machen, forderte Jantzer.

Man dürfe die Automobilindustrie aber nicht allein lassen. Der Umbruch sei eine gesellschaftliche Aufgabe. Wer die schnelle Einführung der Elektromobilität fordere, müsse auch einen Plan für den Erfolg und den Erhalt der Arbeitsplätze haben. Diesen Plan sehe er so noch nicht bei den handelnden Personen in der Landesregierung, stellte Jantzer fest. Man rede zwar immer von der Nachhaltigen Mobilität, konzentriere sich aber vor allem auf Fahrverbote und Schuldzuweisungen. Die Automobilindustrie sei auf dem Weg Elektrofahrzeuge mit akzeptabler Reichweite auf den Markt zu bringen, sind sich die Diskutanten einig. Die Politik müsse aber bei der Ladeinfrastruktur helfen und schneller und abgestimmter vorgehen. „Der Bürger braucht die Gewissheit, dass er sein E-Auto überall und in angemessener Zeit wieder aufladen kann, sonst bleiben die Fahrzeuge auf Halde. Wenn wir dieses Henne-Ei-Problem nicht schnell lösen, haben wir ein Problem“, mahnte der Diplom-Ingenieur Jantzer.

Der Umbruch könne aber organisiert werden. Das sei die Stärke des deutschen Politikmodells. Gewerkschaften, Betriebsräte, Politik und Arbeitgeber müssten jetzt in einer konzertierten Aktion die Weiterbildungs- und Umschulungskonzepte für die Beschäftigung in der Zukunft entwickeln. „Abstiegsängste sind Gift für die Demokratie“, sagte Jantzer. Alle müssen mitgenommen werden und den Umbruch auch als Chance sehen. Das Geburtsland des Automobils stehe für Produkte und Mobilität der Zukunft. Dafür setze sich die SPD mit aller Kraft ein. Der Umbruch könne ein Aufbruch für die Menschen und die Wirtschaft in dieser lebenswerten Region werden, wenn alle ihre Hausaufgaben machen.

Zukunft der Automobilindustrie – Thema im Stuttgarter Rathaus